VON 1649 BIS HEUTE

Im siebzehnten Jahrhundert wurden in Finnland viele Eisenwerke gegründet. Die großen bewaldeten Gebiete in der Pohja-Region zusammen mit ihrer uneingeschränkten Wasserkraft und den günstigen Wasserwegen machten sie zu einem idealen Zentrum für die finnische Metallindustrie. Die Eisenwerke in Antskog gibt es seit etwa 1630, und Billnäs folgte 1641. Fiskars wurde 1649 gegründet und ist heute eines der ältesten Unternehmen der westlichen Welt.

1649 – Gründung der Fiskars-Eisenwerke

Als die Eisenwerke in Fiskars gegründet wurden, stand Finnland unter schwedischer Vorherrschaft. Schweden war in Europa einer der größten Eisenhersteller des siebzehnten Jahrhunderts. 1649 erhielt Peter Thorwöste die Genehmigung für den Bau eines Hochofens und einer Stabeisenanlage in Fiskars, außerdem für die Herstellung von Gusseisen und schmiedeeisernen Erzeugnissen. Das bei Fiskars verwendete Eisenerz wurde hauptsächlich von der Utö-Mine auf der äußeren Halbinsel von Stockholm eingebracht. Der Großteil des in den Metallwerken hergestellten Stabeisens wurde nach Schweden transportiert, um auf dem Eisenmarkt der Altstadt von Stockholm verkauft zu werden. In Fiskars wurde das Eisen auch für die Herstellung von Nägeln, Gewinden, Messern, Hacken, Eisenrädern und anderen Produkten verwendet.

Achtzehntes Jahrhundert – Vom Eisenwerk zum Kupferwerk

Nach dem Großen Nordischen Krieg (1700-1721) gelangten die Eisenwerke 1731 in den Besitz eines Händlers mit Namen John Montgomerie, der im Ausland besser ausgebildete Arbeiter für die Produktion anwarb. Nach Montgomerie übernahmen John Jennings und Robert Finlay Fiskars. Jennings gab seinen Anteil bald auf, aber Finlay behielt seinen und begann auch mit der Verarbeitung von Kupfererz. 1783 wurden die Eisenwerke von der Björkman-Familie übernommen, und der Schwerpunkt der Produktion verschob sich auf die Verarbeitung von Kupfererz aus der nahegelegenen Orijärvi-Kupfermine. Im neunzehnten Jahrhundert gingen die Kupferbestände in Orijärvi zur Neige, also wurde der Hochofen 1802 geschlossen. Seitdem findet im Fiskars Dorf keine grundlegende Eisenherstellung mehr statt.

1822 – das Zeitalter der Julin-Familie beginnt in Fiskars

1822 wurden die Eisenwerke und das Dorf Fiskars vom Apotheker Johan Jacob Julin (später „von Julin“) aus Turku gekauft. Zu seiner Zeit wurden die Eisenwerke aktiv ausgebaut, und die Produktion konzentrierte sich auf die Verarbeitung von Eisen. Als 1832 in Fiskars die erste Essbesteckfabrik Finnlands gegründet wurde, erweiterte sich die Produktpalette von Messern auf Gabeln und Scheren. Im Jahr 1837 bot Fiskars ein weiteres Novum in Finnland, als im Dorf ein Maschinenwerk eröffnet wurde. In den Dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts wurde im Werk die erste Dampfmaschine Finnlands hergestellt. Die Tradition von Fiskars, nach der Reformen und Innovationen sofort umgesetzt werden, hat ihren Ursprung in dieser Zeit.
Während der Zeit mit Julin als Eigentümer wurden einige Maßnahmen für die Mitarbeiter umgesetzt, bei denen das Eisenwerkdorf eine eigene Schule und ein eigenes Krankenhaus erhielt. Die Landwirtschaft im Dorf wurde erheblich verbessert. Fiskars hatte bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der finnischen Landwirtschaft, und die Pflugfabrik von Fiskars stellte in ihrer Hochphase über eine Million Pflüge her. Unter der Führung von Julin wurde Fiskars wegen seiner Neuerungen in den Bereichen Landwirtschaft und Haushaltswaren bekannt, und der Name Fiskars wurde zu einem Markenzeichen für hohe Qualität.

In der neuen Essbesteckfabrik von Fiskars wurden aus Schweden und England übernommene Techniken verwendet. Unter anderem stellte die Fabrik Tischmesser, Gabeln und Scheren her. In dieser Fabrik war ein hohes Maß an handwerklichem und künstlerischem Geschick notwendig, und die Schmiede hielten ihre Verfahren streng geheim. Im neunzehnten Jahrhundert begannen die langen Arbeitstage in der Schmiede um 5.30 Uhr und endeten um 19.15 Uhr. Männliche Jugendliche begannen ihre Lehre zwischen dem achten und dem zehnten Lebensjahr, und sie dauerte etwa acht Jahre. Julin baute 1826 eine Schule in Fiskars, und 1833 folgte eine sogenannte Bell-Lancaster-Schule. Die Lehrmethode war progressiv, wobei die begabtesten Schüler an der Unterrichtung ihrer Mitschüler beteiligt wurden. Die Schule war an jedem Wochentag geöffnet, so dass alle Kinder die Chance auf Bildung erhielten, auch diejenigen, die arbeiten mussten.

1883 – Fiskars wird eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Nach dem Tod von J.J. Julin wurden die Eisenwerke von einer Vormundschaftsverwaltung geführt. Nach und nach sammelte sich die Macht in den Händen von Emil Lindsay von Julin, und es wurde die Gesellschaft mit beschränkter Haftung Fiskars gegründet.

1918 – Fiskars wächst und entwickelt sich

Die Produktivität der Eisenwerke wurde durch die Entwicklung besserer Methoden bei der Stahlverarbeitung und durch die Erneuerung des Walzwerkes in Åminnefors gesteigert. Die Produktpalette wurde erweitert, und Fiskars gründete die erste Metallfederfabrik Finnlands. Das Unternehmen kaufte auch die Inha-Werke in Ähtäri sowie die Unternehmen Billnäs Bruks Ab und Oy Ferraria Ab.

1929 – der große Börsencrash und die Rezession

Die finnische Wirtschaft litt unter dem großen Zusammenbruch der Börsen im Jahr 1929, und dadurch verlangsamte sich auch das Wachstum von Fiskars. In Finnland waren die Auswirkungen des Crashs bis Mitte der Dreißiger Jahre zu spüren. Erst zum Ende des Zweiten Weltkrieges konnte das Management von Fiskars seine Pläne zur Reform der Firmenstruktur umsetzen, die Massenproduktion ermöglichten.

1967 – Fiskars produziert die weltweit ersten Scheren mit Kunststoffgriff

Die Scheren mit orangefarbenem Kunststoffgriff gehören zu den bekanntesten Produkten von Fiskars. Wie kam es aber zu der Entscheidung, die Griffe der Schere orange zu gestalten?
Als 1967 die ersten Basismodelle hergestellt werden sollten, wollte der Produktdesigner sie in den Farben Schwarz, Rot oder Grün. Als der Prototyp in Produktion ging, entschied der Maschinist, das Orange, das sich noch in seiner Maschine befand, zunächst noch zu verbrauchen. Die Prototypen wurden also in vier verschiedenen Farben produziert, von denen Orange und Schwarz die beliebtesten waren. Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Bei Fiskars wurde eine interne Abstimmung durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass die Scheren von Fiskars orangefarbene Griffe haben würden.

1977 – Gründung der Fiskars-Scherenfabrik in den USA

Die Expansion von Fiskars begann mit der Gründung einer Scherenfabrik in den Vereinigten Staaten. Die Eröffnung einer Niederlassung im weltweit stärksten Wirtschaftsraum, den USA, erwies sich als erfolgreiche Strategie. Sie hat die Basis für internationale Geschäfte, einen wachsenden Markt sowie wertvolle und professionelle Erfahrungen geschaffen.

1999 – Fiskars feiert sein 350. Jubiläum

Natürlich wurde der 350. Jahrestag der Eisenwerke im Frühjahr und Sommer 1999 auf vielfältige Weise an der Geburtsstätte des Unternehmens im Fiskars Dorf gefeiert. Die Ausstellung „Fiskars Today“, die von mehr als 60.000 Besuchern besucht wurde, präsentierte die Aktivitäten und Produkte des Unternehmens in der Welt. Verschiedene Konzerte und andere Veranstaltungen brachten auch Mitarbeiter des Unternehmens, Kunden und andere interessierte Gruppen für die Feierlichkeiten ins Fiskars Dorf.

Fiskars heute

Heute ist Fiskars vor allem für Konsumgüter wie Scheren und Gartengeräte bekannt. Dies ist der größte Teilbereich des Unternehmens, der von der Niederlassung Fiskars Brands betrieben wird und in vier Divisionen unterteilt ist: Craft (Basteln), Garden (Garten), Houseware (Haushalt) und Outdoor Recreation (Freizeit). Die Tradition von Fiskars im Bereich des Bootbaus wird von Inha Works weitergeführt, die Buster-Aluminium-Fischereiboote sowie -Freizeitboote ebenso produzieren wie Scharniere und Schienenbefestigungen für den nordeuropäischen Markt. Die Real Estate Group verwaltet fast 15.000 Hektar Immobilien und Anlagen, die sich zumeist im Südwesten Finnlands befinden. Wärtsilä Corporation ist ein Partnerunternehmen.

2007 gehen die Scheren mit den orangefarbenen Griffen in ihr vierzigstes Jahr, während das Buster-Boot 30 Jahre alt wird. Die Form der legendären Scheren, die 1967 von Olof Bäckström entworfen wurde, ähnelt der klassischen Schneiderschere. Zu ihrer Zeit brachten sie neue und benutzerfreundliche Ergonomie in den Markt. Die orangefarbene Gestaltung der Griffe war ein Zufall. Fiskars Orange® wurde jedoch 2004 in Finnland und im Januar 2007 in den USA als Marke eingetragen.